Hochzeiten & freie Trauungen in der Corona-Krise

Die Welt hat sich einmal gedreht

Vor 4 Wochen tanzten meine Gedanken in Bezug auf die Zukunft noch freudig Tango – ich habe mich emotional auf meine Hochzeiten vorbereitet, an Reden gearbeitet, Traugespräche geführt. Ich habe mit Freude an meine bevorstehenden freien Trauungen im 2020 gedacht. Und dann kam dieser verdammte Virus, namens Corona. Zunächst erschien mir das Thema weit weg, schließlich liegt China auch nicht um die Ecke und die Medien berichteten zu Beginn noch recht verhalten. Und dann machte „er“ sich auf den Weg… Italien, Österreich, Deutschland und viele Länder mehr. Nach und nach trifft es wohl jedes Land. 

Mit Corona im Ausnahmezustand

Dieser Virus hat uns alle sinnbildlich ich die Knie gezwungen – ob unsere Brautpaare und damit verbunden die gesamte Hochzeitsbranche, die Gastronomie, Hotels, Veranstaltungen, der Handel… nahezu jeder ist von dieser außergewöhnlichen Situation betroffen. Jeder Laden hat geschlossen, der nichts mit einer Notfallbehandlung oder Lebensmitteln zu tun hat, die Polizei fährt hier in München die Straßen ab und bittet die Menschen zu Hause zu bleiben, sich nicht in Gruppen aufzuhalten und keine Partys zu feiern.

Aber, Ihr kennt ja die Situation und über die aktuelle Lage wird sowieso jeden Tag berichtet.  Darüber hinaus bin ich auch kein Arzt, Polizist oder Politiker, der neue Erkenntnisse zur aktuellen Lage beisteuern kann, das überlasse ich mal lieber denen, die davon wirklich Ahnung haben. 

Das Leben gemeinsam zu Hause

Vor 1,5 Wochen hieß es, dass das öffentliche Leben eingeschränkt werden soll. Heute ist der 25.03.2020. Schulen haben geschlossen, viele Arbeitgeber haben Homeoffice angeordnet und eine Vielzahl an Menschen halten sich zum Glück an die Vorgaben. Es sind mittlerweile ein paar Tage ins Land gezogen und nach der anfänglichen Schockstarre und dem Begreifen müssen, worum es hier eigentlich geht, haben wir gelernt mit der Situation zu Hause umzugehen. Ja, vielleicht kann man auch von einem ganz kleinen Stück Normalität reden: wir bleiben zu Hause, haben den Tag durchstrukturiert und geplant. So langsam gewöhnen wir uns an den Rhythmus. Es wäre allerdings vermessen, wenn ich sagen würde, es läuft alles rund, easy und total harmonisch. Die Ungewissheit über die Zukunft und das eingeschränkte Leben lassen uns hin und wieder an unsere Grenzen stoßen – von „wir kommen mit der Situation ganz gut klar“ bis hin zu „ich brauche auch mal meine Ruhe!“ ist alles dabei. Aber auch das gehört wohl dazu, schließlich sind wir Menschen mit Gefühlen, Bedürfnissen und tragen den Wunsch nach Unabhängigkeit in uns. 

Die Hochzeitsbranche trifft es knall hart

In den letzten Tagen habe ich mir viele Gedanken gemacht. Als allererstes sind mir meine Brautpaare in den Sinn gekommen. Sie planen bereits ein oder zwei Jahre ihren großen Tag und nun ist gar nicht klar, ob sie diesen schönen Tag auch zum geplanten Zeitpunkt umsetzen können. Die ersten Anrufe sind auch schon bei mir eingegangen und Stand heute gibt es eine Hochzeit, die fix ins nächste Jahr verschoben wurde. Nicole und Timo werde ich dann zur freien Trauung in der Alten Gärtnerei in Taufkirchen dann leider erst nächstes Jahr verheiraten dürfen.

Damit verbunden habe ich auch an meine Kollegen aus der Hochzeitsbranche gedacht. Ich bin ja längst nicht die einzige, die es betrifft: Hochzeitsfotografen, Locations, Konditoreien, Musiker, Hochzeitsplaner, Wedding-Day-Manager, Make-up Artisten… einfach alle, die den großen Tag des Brautpaares zu einem ganz besonderen Tag werden lassen, betrifft es. 

Viele der Kollegen aus der Hochzeitsbranche sind Einzelunternehmer bzw. Freiberufler, sie sind alle Vollzeit Selbstständig und haben keinen Festangestellten Nebenjob, der sie zumindest etwas über Wasser hält. Ich zähle zum Bereich der Vollzeit Selbstständigen dazu.

Der Blick in die Zukunft

Es ist absolut unklar, wie lange diese Situation vorherrschen wird und es in den Sternen, wann ich das nächste Mal verheiraten darf. Es ist nicht absehbar, wann unser Brautpaare Ihren großen Tag feiern dürfen und wir Hochzeitsdienstleister-Kollegen uns an diesem so bedeutenden Tag – den Tag der freien Trauung – wiedersehen werden, um unserem Brautpaar einen unvergesslichen Moment zu schenken. Nichts weiß man, überhaupt nichts. 

Mein Tipp an die Brautpaare

Wenn mich jemand nach meinem Rat fragt, würde ich meinen Brautpaare vorschlagen, dass sie schnellstmöglich Kontakt zu den Locations und ihren gebuchten Dienstleistern aufnehmen. Fragt nach Alternativterminen in diesem Jahr. Sucht Euch Freitage, Sonntage oder Montage heraus – schaut auch nach Brückentagen. Wichtig ist jetzt die offene Kommunikation untereinander. Alle haben für diese schwierige Situation Verständnis und jeder von uns möchte eine gute Lösung.

Coronakrise = Urlaub?

Man könnte meinen, dass ich beruflich nun nichts mehr zu tun habe… aber dem ist gerade weiß Gott nicht so. 

Ich führe weiterhin meine Traugespräche (via Video), arbeite an meinen Reden, nehme Kennenlern-Gespräche (via Video), an. Das läuft bei mir, auch in dieser Zeit, ganz klar weiter. Dann habe ich letzte Woche eine Speaker-Anfrage von Kathleen John im Rahmen der „Let´s Create Community“ bekommen und da bringe ich mich natürlich super gerne ein. Es wird ein großes Online Event geben, bei denen Kollegen aus der Hochzeitsbranche wertvolle Tipps teilen – die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren und hier investiere ich selbstverständlich auch Zeit. 

Copyright: www.katrinkind.de

Die Not macht erfinderisch – die Gestaltung von Videoseminaren

Auch wenn unklar ist, wie viele Hochzeiten abgesagt werden. Ich versuche motiviert zu bleiben und muss (gezwungener Maßen) umdenken. Ein Bespiel: Normalerweise hatte ich für den 21.03.2020 & 22.03.2020 ein Trauredner-Seminar geplant – live & in Farbe hier in München. Die Corona-Krise hat mir da einen Strich durch die Rechnung gemacht. 

Wenn Du leidenschaftlicher Dozent bist und Dir das Herz bricht, das Seminar abzusagen, dann musst Du kreativ werden. Ich wollte – Teufel komm raus – UNBEDINGT dieses Seminar führen, denn meine Teilnehmerinnen möchten doch ihren Traum leben. Da ich ein großes Verantwortungsbewusstsein gegenüber meinen Teilnehmerinner habe, kam es natürlich nicht in Frage, das Seminar 1:1, das heißt live zu gestalten. Ich habe kurzerhand angeboten, ein WEBINAR – also ein Video Seminar – für Hochzeitsredner durchzuführen. Drei von vier Teilnehmerinnen waren sofort dabei. Die zwei Mamas haben die Väter für die Kinderbetreuung eingespannt und los ging es. Wir hatten einen großartigen Austausch, der uns trotz Videoübertragung nicht daran hindern lies zu lachen, Fragen zu stellen und uns auszutauschen. 

Ein neues Leben nach Corona

Das Leben nach Corona wird für viele Menschen anders sein. Ich wünsche mir nichts sehnlicher, dass alles irgendwie gut wird, wir viel positives aus der Situation ziehen und wir das Bestes daraus machen. Es wird nicht einfach werden, da brauchen wir uns nichts vormachen – es wird anders werden, aber nicht weniger schön. 

Durch die vielen Verschiebungen wird es 2021 sicher viele Jobs in der Hochzeitsbranche geben. Lasst uns gemeinsam darauf vorbereiten und gestärkt aus der Situation herausgehen, um im kommenden Jahr so richtig anzupacken!

Lasst uns aus der Krise lernen.
Lasst uns in der Zukunft viel mehr unterstützen und helfen. 
Lasst uns unsere Gegenüber wahrnehmen und aufeinander zugehen. 
Lasst uns die Schwachen stützen und aus den Starken lernen. 
Lasst uns nach der Krise mehr an die Zukunft denken, denn unsere Kinder und Kindeskinder werden diese Welt so in Empfang nehmen, wie wir sie hinterlassen haben. 

In diesem Sinne wünsche ich jedem von uns viel Gesundheit, Liebe und Positivität. 

Alles Liebe, Madeleine